Philipps-Universität Marburg
Fachbereich Chemie
Veranstaltung: Übungen im Experimentalvortrag
Leitung: Dr. J. Butenuth, Dr. E. Gerstner, Prof. H. Perst
Sommersemester 1999



Protokoll zum

Experimentalvortrag

„Chlorverbindungen
im Alltag“
vom 8. Juli 1999



vorgelegt von

Carola Preßler
Ockershäuser Allee 51 a
35037 Marburg








Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
2. Allgemeines zum elementaren Chlor

3. Industrielle Bedeutung
4. Chlor in Nahrungsmitteln
5. Bleichwirkung chlorhaltiger Substanzen
6. Desinfektionswirkung
7. Fazit
8. Literaturverzeichnis








1. Einleitung
Chlor, das man in der Chemie mit dem Symbol Cl bezeichnet, hat in unserer heutigen Gesellschaft eine besondere Bedeutung, was vielen eigentlich gar nicht bewußt ist.
Dabei spielt das elementare Chlor nur insofern eine bedeutende Rolle, daß damit relativ einfach die meisten Chlorverbindungen synthetisch hergestellt werden können. Praktisch wird es im Alltag kaum verwendet, da die von ihm ausgehenden Gefahren für Mensch und Umwelt einfach zu groß sind.
Chlorverbindungen dagegen sind oft lebensnotwendig und begegnen uns in vielen Bereichen, in denen wir sie gar nicht vermuten.
Dieser Vortrag soll nun einen Überblick darüber geben, welche Rolle das Chlor in unserer Gesellschaft spielt und in welch vielfältiger Weise wir es alltäglich gebrauchen. Dabei stellt dieser Vortrag natürlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern bildet lediglich eine Grundlage, die einige subjektiv ausgewählte Aspekte der Chlorchemie kurz beleuchtet und zum weiteren Beschäftigen mit dem Thema anregen soll.


2.1. Historisches

Elementares Chlor wurde 1774 von dem Schweden Carl Wilhelm Scheele (1742-1786) entdeckt. Der Apotheker und Privatgelehrte in Uppsala und Köping synthetisierte es zufällig durch eine Reaktion von Salzsäure und Braunstein. Er hielt es damals irrtümlicher Weise für ein Oxid, denn bei der Belichtung von Chlorwasser entsteht Sauerstoff. Auch Berthollet, Gay-Lussac und Thénard gelang es noch nicht die Elementnatur zu erkennen.
Erst Sir Humphrey Davy (1778-1829), Professor für Chemie in London und seit 1812 Privatgelehrter, erkannte 1810 den Elementcharakter und nannte es Chloricgas bzw. Chlorine.
Der Name kommt von dem griechischen Wort chloros - gelbgrün und beinhaltet damit ein eindeutiges Charakteristikum.

Das Halogen Chlor, das heute als 17. Element im Periodensystem in der 7. Hauptgruppe klassifiziert ist, liegt unter Normalbedingungen als ein gelbgrünes, aus zweiatomigen Molekülen bestehendes, nicht brennbares, stechend riechendes Gas vor. Es ist 2½ mal schwerer als Luft, hat ein Atomgewicht von 35,453g und hat die natürlichen Isotope 35(75,53%) und 37 (24,47%).
Chlor ist nur mäßig in Wasser löslich (etwa 2,3l in 1l Wasser). Allerdings hat es die unangenehme Eigenschaft, alle Schleimhäute der Atmungsorgane zu ätzen und damit stark zu reizen.
Es handelt sich bei elementarem Chlor um das elfhäufigste Element der obersten Erdkruste mit einem Anteil von 0,0314% , das wegen der hohen Reaktionsfähigkeit höchstens in Vulkangasen elementar vorkommt. In Verbindungen findet man Chlor in den Oxidationstufen –1, +7, +5, +3, +1, (+4) vor.
Dabei sind die bedeutensten natürlichen Vorkommen die häufigste Chlorverbindung Natriumchlorid (NaCl), wobei man etwa 50Billionen Tonnen in gelöster Form im Meerwasser (etwa 2% ionisiertes Chlor) und 3,7Billionen Tonnen in bekannten in den daraus entstandenen Salzlagerstätten vermutet. Dieser Rohstoff scheint sich in absehbarer Zeit nicht zu erschöpfen Desweiteren findet man gasförmigen Chlorwasserstoff in tätigen Vulkanen und diverse chlororganische Verbindungen in Meeresalgen, Pilzen, Flechten und anderen Pflanzen und Tieren.
Bis heute sind mehr als 1000 natürliche Chlorverbindungen bekannt und daneben viele künstlich synthetisiert worden.

Elementares Chlor hat eine besonders hohe Toxizität, denn schon 0,05Vol% wirken nach einer Expositionsdauer von 1 bis 2h tödlich.
Besondere Gefahren, die im Zusammenhang mit Chlor stehen sind aktuelle Schlagworte wie das Ozonloch, der Treibhauseffekt, alle Krebserkrankungen, diverse Erbgutveränderungen, sowie Unfruchtbarkeit durch Chlor und Chlorverbindungen.
Daneben hört man ständig von Dioxinen, die bei der Verbrennung von chlorhaltigen Verbindungen entstehen und eine systematische Bezeichnung für ein zweifach-ungesättigtes Ringsystem mit zwei Sauerstoffatomen im Ring sind.
Einige Dioxine sind extrem giftig und die Hauptursache für Chlorakne, doch vermutlich nicht cancerogen . Das bekannteste und gleichzeitig giftigste Dioxin ist TCDD:
2,3,7,8-Tetrachlordibenzo[1,4]dioxin,


das immer wieder im Zusammenhang mit dem aktuellen Dioxin-Skandal in Belgien in den Medien war.

Eine weitere unangenehme, aber bekannte Chlorverbindung ist das Insektizid DDT
Dichlordiphenyltrichlorethan


Beim Menschen führen 0,3-0,5g zu ersten Symptomen (Schweißausbrüche, Kopfschmerzen, Übelkeit) und erst Dosen über 1g zu Krämpfen, Verwirrtheit, Gleichgewichtsstörungen und Rhythmusstörungen. DDT wurde 1874 erstmals synthetisiert, 1939 entdeckte man die insektizide Wirkung und 1948 gab es sogar den Medizinnobelpreis dafür. Der Einsatz von DDT ist seit 1972 (1986) in Deutschland verboten, seit die schädigende Wirkung bekannt wurde, doch in den Entwicklungsländern wird es weiterhin zur Bekämpfung der Malaria-Mücke eingesetzt, aus Mangel an preiswertem Ersatz
Durch den extrem hohen Toxizitätsgrad des Chlors, ereignen sich noch heute jährlich schwere Unfälle mit Chlor oder chlorhaltigen Produkten. Meistens sind fehlende Sicherheitsvorkehrungen bzw. der schlecht zu sichernde Transport die Ursachen. Darum wird Chlor -ähnlich wie Phosgen- so weit wie möglich direkt am Produktionsort weiterverarbeitet.
Die leider bekanntesten Beispiele für Chlorunfälle sind wohl die Vorfälle 1976 in Seveso bzw.1984 in Bhopal.
In der italienischen Ortschaft Seveso wurden aus einem Reaktor, in dem Trichlorphenol hergestellt wurde, durch Überhitzung mehr als 2 kg des Dioxins TCDD freigesetzt. Dort starben in der Umgebung Vögel und Kleintiere, so daß mehr als zwei Wochen nach dem Unfall etwa 750 Leute evakuiert und ihre Häuser abgerissen werden mußten. Zudem mußten noch etwa 220000 Menschen ärztlich behandelt werden, doch es ist nicht bekannt, daß jemand direkt an den Folgen verstorben wäre. Es ist aber erwiesen, daß die Zahl der Krebserkrankungen und Totgeburten überdurchschnittlich angestiegen ist, auch darum setzt man bis heute die medizinische Überwachung im Hinblick auf Langzeitwirkungen fort.
Im indischen Bhopal kam es nach einer unkontrollierten Reaktion zwischen Phosgen und Isocyanaten zu einer Explosion, bei der eine riesige Giftgaswolke freigesetzt wurde. 3000 Menschen fanden damals direkt den Tod und bis 1990 sind mehr als 10000 an den Spätfolgen verstorben.


3. Industrielle Bedeutung

Chlor ist heute ein vielverwendeter Rohstoff in Wirtschaft und Technik für unzählige Zwischen- und Endprodukte. Die Bedeutung wird auch dadurch offensichtlich, daß rund 60 % des Umsatzes der deutschen chemischen Industrie direkt oder indirekt durch chlorchemische Verfahren erwirtschaftet werden. Dabei spielen vor allem die hohen Ausbeuten und der geringe Energiebedarf durch die hohe Reaktionsfähigkeit eine bedeutende Rolle.
Im folgenden werden einige ausgewählte Anwendungsbereiche von Chlorverbindungen mit konkreten Beispielen vorgestellt, um einen Überblick darüber zu geben, in welchen Bereichen des Alltags Chlor uns in verschiedenster Form begegnet und das Leben angenehmer macht.
Zunächst einige Bereiche auf die im Vortrag noch näher eingegangen wird, und die daher nicht mit Beispielen belegt werden.
  • Chlor hat besondere Bedeutung: in der Kunststoff–Industrie, als lebensnotwendiges Nahrungsmittel für den Menschen, beim Bleichen von Papier und Zellulose und bei der Desinfizierung von Nutzwasser und anderem.
  • Desweiteren liegt der bedeutendste industrielle Aspekt natürlich auf der Synthese der organischen und anorganischen Chlorverbindungen, die sich aber für den Alltags -bedarf nicht näher klassifizieren lassen, da sie in so vielen Bereichen Anwendung finden und so vielfältig sind.
  • Viele Arzneimittel werden auf der Basis von Chlorverbindungen hergestellt. So gibt es heute kaum ein Antibiotikum, das keine Chlorverbindungen enthält, doch auch bei der Behandlung von Pilzen, Allergien, Erbrechen, Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen und auch in der Rheumaforschung hat man die Wirkung dieser Verbindungen zu schätzen gelernt. Das neueste Gebiet, in das Chlor seinen Einzug hält, sind Krebs- und Tumorbehandlungen, doch auch in so alltäglichen Medikamenten wie in Nasensprays haben wir Chlorverbindungen, wie z.B. das abhängig machende Xylometazolinhydrochlorid.
  • Ein anderes Gebiet ist die Verwendung als Pflanzenschutzmittel bzw. als Düngemittel. Dabei ist das bekannteste Pflanzenschutzmittel wohl DDT (vgl. oben), das noch in Mengen von 5kg/ha verteilt werden mußte, um einen angemessenen Wirkungsgrad zu erreichen. Moderner ist das Chlorsulfuron, das nur noch mit 0,1kg/ha dosiert wird. Als ein Düngemittel wird z.B. Kaliumchlorid verwendet, wobei allgemein gilt, daß Düngemittel die Stoffe sind, die Nutzpflanzen zugeführt werden, um den Ertrag zu steigern, das Wachstum zu fördern bzw. die Qualität zu verbessern.
  • In der Lösemittelindustrie verwendet man dagegen häufig leichtflüchtige CKW, die eine Sammelbezeichnung für aliphatische und aromatische Kohlenwasserstoffe sind, bei denen ein oder mehr H-Atome durch Cl-Atome ersetzt sind. Man verwendet z.B. Trichlorethylen, sowie das cancerogene Perchlorethylen, die zusätzlich das Problem mit sich bringen, durch die Haut resorbiert zu werden und eine narkotisierende Wirkung zu haben.
  • CKW verwendet man außerdem wie die FCKW, um Kühl- und Isolierflüssigkeiten herzustellen bzw. bessere Wärmeübertragungsmittel zu erhalten. Außerdem verwendete man die FCKW als Treibgase, zur Kunststoffverschäumung und zur Präzisionsreinigung. Es ist wichtig zu erwähnen, daß alle Produktionen, die mit diesen Produkten arbeiten, immer mehr auf Ersatzstoffen umsteigen, da die schädigende Wirkung bekannt wurde. Ein Chloratom aus diesen Stoffen ist in der Lage, 10000 Ozon-Moleküle zu vernichten, und um die Ozonschicht zu schützen wird zumindest in den Industrienationen ein weitgehender Verzicht propagiert.
  • Einen wesentlich positiveren Einsatz findet das Eisen(III)chlorid, das in der Abwasseraufbereitung eine entscheidende Rolle als Flockungsmittel spielt. Flockungsmittel sind dabei Stoffe, die Teilchen in kolloidalen Lösungen zum Ausflocken bringen. Als Klärmittel eingesetzt, bilden sich mit Eisen(III)chlorid in bestimmten pH-Bereichen voluminöse Niederschläge kationischer Hydroxide, die durch Okklusion und Mitfällung störender Teilchen reinigend wirken. Man verwendet es daher zum Klären von Flüssigkeiten und zum Eindicken bzw. Entwässern von Schlämmen.
  • Ein besonders negatives Kapitel dagegen ist der Einsatz von Chlor und Chlorverbindungen als Kampfstoff. Diese vielfältigen Verbindungen wirken ätzend auf die oberen Lungenwege, konkret als Lungengift, als Zellgift und als Tränengas. Die chemischen Waffen Blau-, Grün-, Gelb- und Weißkreuz enthalten alle chlorhaltige Verbindungen.
Diese kleine Auswahl von Anwendungsbereichen der positiv wie negativ wirkenden Chlorverbindungen soll zum Abwägen anregen: Chlorchemie ja oder nein?


Die großtechnisch bedeutendste Darstellung von elementarem Chlor, das zur Synthese der meisten Chlorverbindungen benötigt wird, ist die Chlor-Alkali- Elektrolyse. Die technische Durchführung dieser bekannten Elektrolyse, bei der durch elektrische Energie eine wässrige Natriumchlorid-Lösung zu Chlor, Wasserstoff und Natronlauge zersetzt wird, ist dadurch charakterisiert, daß eine Trennung der Kathodenprodukte erfolgen muß, um die Bildung von Chlorknallgas bzw. Natriumhypochlorit zu verhindern. Schematisch läuft dabei folgendes ab:

2 NaCl + 2 H2O + Energie → H2 + Cl2 + 2 NaOH

Bei der Herstellung von einer Tonne Chlor entstehen als Kopplungsprodukte etwa 2,26Tonnen Natronlauge und 312 Kubikmeter Wasserstoff (Werte sind verfahrensabhängig).
Bis heute haben sich drei mögliche Varianten der Chlor-Alkali-Elektrolyse großtechnisch durchgesetzt, die sich darin unterscheiden, wie die Trennung erreicht wird: man unterscheidet das Amalgam-, Membran- und Diaphragma-Verfahren.

Das Amalgam- oder Quecksilberverfahren war das erste und ist bis heute noch das verbreitetste Verfahren, denn 1997 wurden noch 64% nach diesem Verfahren umgesetzt. Es wird seit mehr als hundert Jahren zur technischen Herstellung von Chlor für Industriezwecke verwendet.
Dabei wird in einer geschlossenen Zelle an einer Graphit/Titan Anode das Chlorgas (Cl2) entwickelt und an der Kathode aus flüssigem Quecksilber elementares Natrium gewonnen, das sofort zu Natriumamalgam umgesetzt wird. Dabei nutzt man die große Überspannung von Wasserstoff an Quecksilber aus.
Der Vorteil dieses Verfahrens sind die besonders reinen Produkte, doch sie entstehen auf Kosten der Umwelt. Erstens wird viel Energie benötigt und zweitens sind die Stoffe in der Zelle teilweise hochgiftig. Allerdings muß man der Industrie zu Gute halten, daß bis heute der Quecksilbergehalt der Abwässer durch immer neue Verfeinerungen soweit gesenkt wurde, daß bereits 1983 weniger als 1% der gesamten weltweiten natürlichen und künstlichen Quecksilberemissionen aus der Chlorproduktion kamen.





Das Diaphragmaverfahren wurde in den USA entwickelt und beruht auf der Trennung der Elektrodenräume durch eine poröse Asbestschicht, die auf einer Eisengitterkathode angebracht ist, um die Rückreaktion der Produkte zu verhindern, daher auch der Name: diaphragma - Scheidewand (griech.).
Die wässrige Natriumchlorid-Lösung fließt vom Anodenraum durch das Diaphragma in den Kathodenraum, wo sich der Wasserstoff an der Stahlkathode abscheidet. Der Vorteil dieses Verfahrens ist der geringe Energieaufwand, doch sind die Produkte nicht rein. Die so gewonnene 10-12%ige Natronlauge hat einen Restgehalt an Salz von 15%. Ein weiterer Vorteil ist aber die Möglichkeit der Weiterverwendung der Kopplungsprodukte; z.B. wird die Natronlauge in der Papier- und Textilindustrie, sowie zur Seifenproduktion und zur Abwasserneutralisation verwendet.






Das dritte Verfahren ist eine Weiterentwicklung des Diaphragmaverfahren aus den 70igern. Beim Membranverfahren erfolgt die Trennung durch eine Ionenaustauschermembran von 0,1mm, die für Natrium-Ionen durchlässig, für Chlorid-Ionen undurchlässig ist. Im Anodenraum befindet sich ebenfalls wieder eine gesättigte Natriumchlorid-Lösung, im Kathodenraum dagegen Wasser.
Dieses Verfahren braucht wenig Energie, liefert reine Produkte und stellt fast kein Umweltrisiko dar. Allerdings müßten neue Anlagen errichtet werden und das ist teuer!





VERSUCH 1
Chlor-Alkali-Elektrolyse: Diaphragma Verfahren

Durchführung:
Chemikalien: Natriumchlorid-Lsg. (w = 0,1), Stärke-Lsg., Kaliumiodid-Lsg.
Phenolphthalein-Lsg.
Materialien: U-Rohr mit Glasfritte, Graphitelektroden, Voltmeter,
Gleichspannungsquelle, Verbindungsschnüre mit
Krokodilklemmen, Stativmaterial

Schaltskizze für die Chlor-Alkali-Elektrolyse




Man befüllt beide Schenkel des U-Rohres mit der Natriumchlorid-Lösung. Dabei erfolgt die Anordnung der Elektroden und der Meßinstrumente wie auf der Schaltskizze dargestellt. Nun wird der Gleichstrom angeschaltet, wobei etwa eine Spannung von 10V angelegt sein sollte.
Man gibt daraufhin in den Kathodenraum einige Tropfen der Phenolphthalein-Lösung und in den Anodenraum etwas festes Kaliumiodid oder einige Tropfen einer Kaliumiodid-Lösung. Sollte im Anodenraum die erwartete Gelbfärbung nicht gut zu sehen sein, kann man noch etwas Stärke Lösung zugeben.


Auswertung:

ANODE: 2 Cl-(aq) → Cl2- + 2e- (Oxidation)



KATHODE 2 H2O + 2e- → 2 OH-(aq) + H2- (Reduktion)
Nachweisreaktion: Säure-Base-Indikator Phenolphthalein


Schon nach kurzer Zeit wird der Ablauf der Elektrolyse durch die Gasentwicklung an den Elektroden sichtbar. An der Anode werden die vorliegenden Chlorid-Ionen zu Chlor oxidiert. Der Nachweis erfolgt dadurch, daß Iodid-Ionen zu Iod oxidiert werden, die mit überschüssigen Iodid-Ionen Tri- oder höherwertige Polyiodid-Ionen bilden (vgl. Reaktionsgleichungen). Sollte Stärke-Lösung zugegeben werden, kommt es zur Bildung der charakteristischen dunkelblauen Einschlußverbindung.
An der Kathode entstehen – wie in obiger Reaktionsgleichung dargestellt - Wasserstoff, der als Gas entweicht, und Hydroxid-Ionen, die die rosa Färbung bedingen (Säure-Base-Indikator Phenolphthalein).


Chlor gehört zu den reaktionsfähigsten Elementen, denn es reagiert spontan mit fast allen Elementen, außer mit den Edelgasen, mit Sauerstoff, mit Stickstoff und mit elementarem Kohlenstoff .
Das ist ein Grund dafür, daß viele Verbindungen „nach Maß“ synthetisierbar sind, was eine besondere Bedeutung für die Industrie hat. Desweiteren wird Chlor oft als Schutzgruppe in eine Verbindung eingeführt, um eine bestimmte anschließende Reaktion zu begünstigen.
Durch die hohe Reaktivität laufen fast alle Reaktionen bei niedrigen Temperaturen ab, was es zusätzlich finanziell für die Industrie interessant und in Hinsicht auf die energiesparenden Verfahren umweltfreundlich macht. Außerdem sind die Edukte der Chlorproduktion billig und leicht zu beschaffen.
Die große Bedeutung der Reaktionen besonders mit Kohlenwasserstoffen waren der Ausgangspunkt für eine florierende und expandierende Chlorproduktion.
1990 wurden in Deutschland ca. 3,4 Mio. Tonnen Chlor produziert, bei einer gesamten Weltproduktion von ca. 36 Mio. Tonnen.
Die Chlorproduktion erfolgt meist für Zwischenprodukte, die in diversen Synthesen unerläßlich sind. Bei der häufigen Verwendung von chlorhaltigen Produkten in Synthesen ist es erstaunlich, daß dann doch 50% der Endprodukte chlorfrei sind.
Was macht Chlorverbindungen neben den oben erwähnten Aspekten für die Industrie noch interessant?
Es die hohe chemische Beständigkeit vieler Chlorverbindungen. Doch für den Mensch an sich ist nicht klar, ob das eher ein Vorteil oder ein Nachteil ist, denn bei einem unkontrolliertem Austritt entstehen große Umweltschäden, da es durch den langsamen Abbau eventuell sogar zur Bioakkumulation kommt, d.h. daß sich Chlor in Pflanzen über Tiere bis zum Menschen immer weiter anreichert und damit sich die schädigende Wirkung verstärkt. Es ist allgemein bekannt „Die Dosis macht’s“, d.h. eine beim Austritt noch in ungefährlichen Konzentrationen ausgetretener Stoff kann sich über Jahre bis zu einer gefährlichen Dosis hin anreichern.
Doch auch die Industrie banalisiert diese Gefahren nicht und unterstützt den freiwilliger Verzicht, zumindest in den Industrienationen, auf einige besonders gefährliche chlor-organische Verbindungen z.B. DDT (s.o.), Polychlorierte Biphenyle (1983), die als Weichmacher, Kondensator- und Transformatorenöle verwendet werden, sowie Pentachlorphenol einem Holzschutzmittel (1984).
Allerdings ist auch in Zukunft kein kompletter Verzicht auf chlorhaltige Produkte in Industrie möglich. Darum ist und sollte es aber oberstes Ziel bleiben, chlorhaltige Abfälle weitgehend zu vermindern oder noch besser zu vermeiden.


Eine hervorzuhebende Rolle spielen in unserer Gesellschaft jegliche Arten von Kunststoffen. Dabei versteht man unter Kunststoffen allgemein makromolekulare organische Verbindungen, d.h. organische Polymere, die bestimmte Eigenschaften haben sollten. Man zählt zu den Kunststoffen alles, was unter den umgangssprachlichen Begriff Plastik fällt, Chemiefasern, Kautschuke, Lackrohstoffe, Klebstoffe und ähnliches.
Bei Wärmezufuhr werden einige der Polymere beweglich, d.h. verformbar durch Pressen, Gießen oder Ziehen, andere dagegen sind bis zu einem gewissen Grad hitzebeständig. Hier noch einige Eigenschaften, die Kunststoffe haben sollten: hohe mechanische Festigkeit und Härte, hohe Beständigkeit gegen Licht-, Wärmealterung, Chemikalien und Spannungskorrosion, Unbrennbarkeit, selektive Permeabilität, umweltfreundliches Verhalten, leichte Rückführbarkeit in den Rohstoff-Kreislauf, u.a.
Durch die breitgefächerten Anwendungsbereiche von Kunststoffen bilden sie eine interessante Ergänzung zu den bekannten Werkstoffen wie Holz, Glas, Keramik oder Metalle.
Kunststoffe machen heute etwa 50% der chlorhaltigen Endprodukte aus, ohne daß von ihnen eine akute Gefahr ausgeht, da das Chlor chemisch fest gebunden ist.
Unter den Kunststoffen besonders bedeutend, ist das PVC (Polyvinylchlorid). Es macht etwa ¼ der dt. Chlorproduktion aus und wird seit mehr als 55 Jahren produziert.
Seine Vorteile sind, daß es ein stabiler Werkstoff ist und sich durch eine besondere Widerstandsfähigkeit auszeichnet. Es ist desweiteren witterungsbeständig, korrodiert nicht, es ist schwer entflammbar und depolymerisiert nicht. Doch ein extremer Nachteil ist die Entstehung von Dioxinen bei der Verbrennung.
PVC wird heute hauptsächlich im Bauwesen, in der Medizin (als Geräte, nicht als Medikament) und im Verpackungswesen verwendet.
Dabei unterscheidet man hart PVC, das in Rohren, Fensterprofilen und Leisten verwendet wird (PVC-Anteil 77-89%), und weich PVC, das als Isoliermaterial, in Schläuche und Fußböden Verwendung findet (PVC-Anteil 44-61%). Den Rest machen Füllstoffe, wie Kalk und Weichmacher (Ester und kurzkettige Alkohole) aus die die Eigenschaften nochmals wesentlich beeinflussen.


VERSUCH 2
Nachweis von Chlor in PVC

Dieser Versuch ist eine Methode wie man festgebundenes Chlor in organischen Substanzen nachweisen kann. Es soll am Beispiel des PVC verdeutlicht werden und stellt anschaulich dar, daß es sich in diesem Fall um eine chlorhaltige Verbindung handelt, da man einfach alltäglich gebräuchliches PVC (Folie) verwenden kann.

Polyvinylchlorid:

Durchführung:
Chemikalien: PVC-Pulver, Gemisch aus Natriumhydroxid und Calciumoxid
(im Verhältnis 1:1), Silbernitrat-Lösung (c = 0,1 mol/L),
Salpetersäure (10%ig), dest. Wasser
Materialien: Demoreagenzgläser, Reagenzglasständer, Bunsenbrenner,
angemessen großes Wasserbad, Spatel, Pipetten, Abzug


Man gibt etwa 10mg PVC-Pulver in ein Reagenzglas und überschichtet es mit der fünffachen Menge von dem Gemisch aus NaOH und CaO. Das Ganze wird über dem Bunsenbrenner im Abzug bis zur Rotglut erhitzt und anschließend in das Wasserbad geworfen, in dem das Reagenzglas zerplatzt. Damit ist die eigentliche Reaktion abgeschlossen und das Chlor in Form von Chlorid aus der Verbindung gelöst.
Zum Nachweis entnimmt man nun eine Wasserprobe und gibt diese in ein vorbereitetes Reagenzglas, in dem etwa 5ml der Salpetersäure vorgelegt sind. Danach gibt man einige Tropfen der Silbernitrat-Lösung zu.



Reaktion:


Nachweis:
Silberchloridfällung: Ag+(aq) + Cl-(aq) → AgCl
weiß



Auswertung:
Man sollte darauf achten, daß das Erhitzen im Abzug geschieht, da hierbei zum Teil dioxinhaltige Dämpfe frei werden. Man beobachtet auch eine intensive Rauchentwicklung und einen unangenehmen Geruch. Der Rückstand im Reagenzglas ist teilweise schwarz vom verbrannten Kohlenstoff und teilweise weiß von nicht umgesetzten Gemisch und dem entstandenen Produkt.
Das Wasserbad sollte nicht zu groß sein, da sonst die Konzentration der Chlorid-Ionen zum Nachweis zu gering sein könnte
Nach der Zugabe von Silbernitrat erwartet man einen weißen Niederschlag, der eigentlich sofort sichtbar wird. Sollte dies nicht der Fall sein, ist noch etwas Salpetersäure zuzugeben.


4. Chlor in Nahrungsmitteln

4.1. Physiologische Bedeutung von Chlorverbindungen

Neben der hoch toxischen Wirkung von Chlorgas, die bereits beschrieben wurde, sind die einfach negativ geladenen Chlorid-Ionen lebensnotwendig. Die Chlorid-Ionen kommen in einigen Mineralien wie Steinsalz (NaCl), Sylvin (KCl), Karnallit (KCl MgCl2 6H2O) und Kainit (KCl MgSO4 3H2O) vor, doch man nimmt sie normalerweise nur in Form von gelöstem Natriumchlorid auf. Im folgenden sollen nun einige der wichtigsten Aufgaben dieser Chlorverbindung vorgestellt werden.
Sie spielen eine entscheidende Rolle bei der Aufrechterhaltung des Säure-Basen-Gleichgewichtes, im Wasserhaushalt, beim Aufbau von Knorpel und Knochen, bei der Erregbarkeit der Muskeln, beim Geschmacksempfinden, sowie bei der Nieren- und Magensekretion.
Ein gesunder Mensch muß etwa 5-10g Natriumchlorid, am Tag aufnehmen, um alle Stoffwechselprozesse zu erhalten. Überschüssiges Natriumchlorid wird über die Niere und über Schweiß ausgeschieden.
Chlorverbindungen sind also unerläßlich für die Funktion der lebenswichtigen Organe. Hier einige Beispiele:
  • Im Wasserhaushalt sorgen sie also dafür, daß der Kochsalzgehalt in allen Körperflüssigkeiten nahezu konstant bleibt; anders ausgedrückt sorgen sie für einen Konzentrationsausgleich. Zugleich sind sie ein wichtiger Schutz vor Austrocknung.
  • Im Verdauungssystem bilden sie die Salzsäure im Magen. Diese ist lebensnotwendig zur Keimabtötung & zur Aktivierung des Enzyms Pepsin, das zum Proteinabbau notwendig ist.
  • Im Immunsystem ist die Hypochloritbildung in den weißen Blutkörperchen ein entscheidender Gesundheitsfaktor. Hypochlorit wirkt als Desinfektionsmittel & Aktivator körpereigener antibiotisch wirkender Stoffe
  • Im Nerven- und Bewegungssystem sorgen sie dafür, daß es nicht zu einem Überschießen der Nervenerregungen kommt. Sie verhindern also unerwünschtes „Nervenflattern“ und sorgen für einen geregelten Ablauf in unserem Nervensystem, das zu einem großen Teil von Natrium-Ionen geregelt wird.
4.2. Prinzip der potentiometrischen Fällungsanalyse
Die Potentiometrie ist eine Bezeichnung für ein Verfahren der Elektroanalyse, bei dem durch Potentialmessung in einer Elektrolyt-Lösung Rückschlüsse auf deren quantitative Zusammensetzung gezogen werden. Bei der potentiometrischen Titration, einer elektrochemische Potentialmessung, wird eine Potentialdifferenz stromlos gemessen. Da das elektrochemische Potential eine Funktion der Konzentration ist, die sich am Äquivalenzpunkt sprunghaft ändert, tritt hier gleichzeitig ein Potentialsprung auf, der den Endpunkt der Titration anzeigt. Der Wendepunkt der Kurve entspricht also dem Äquivalenzpunkt.
In dem folgenden Versuch sollen freie Chlorid-Ionen als Silberchlorid gefällt werden, d.h. in dem Maß wie Silberchlorid ausfällt, verringert sich die Chlorid Konzentration und damit das gemessene Potential. Über den Äquivalenzpunkt hinaus liegen dann freie Silber-Ionen vor. Praktisch ist der Äquivalenzpunkt erreicht, wenn die zugegeben Silber-Ionen Menge genau der vorliegenden Chlorid Konzentration entspricht. Man liest diesen Punkt als Wendepunkt der Kurve ab .


VERSUCH 3
Kochsalzgehalt in Speisewürze

Natriumchlorid gehört zu den ältesten Würzmitteln von Speisen. Gerade in den Ländern des Mittelmeerraumes wurde es lange Zeit aus dem Meer gewonnen (Meersalz). Hierzulande wird Natriumchlorid durch bergmännischen Abbau (Steinsalz) oder durch Einpumpen von Wasser in Salzlagerstätten gefördert. Aus der Salzlösung gewinnt man das Natriumchlorid durch Verdampfen. Da dies lange Zeit in Eisenpfannen gemacht wurde, hat man auch den Ursprung des Wortes Kochsalz.
Der folgende Versuch ist eine Möglichkeit den Kochsalzgehalt in verschiedenen Speisen quantitativ zu bestimmen.
Da Natriumchlorid gut wasserlöslich ist, kann man es leicht mit Wasser aus der zu untersuchenden Probe herauslösen. Zum Nachweis fällt man die Chlorid-Ionen mit Silbernitrat-Lösung als Silberchlorid. Der quantitative Nachweis erfolgt dann über eine potentiometrische Chlorid-Bestimmung, wie oben beschrieben.


Durchführung:
Chemikalien: Kaliumnitrat (p.a.), Silbernitrat-Lösung (c = 0,1 mol/l),
Maggi-Speisewürze, dest. Wasser
Materialien: Eppendorf Pipette, Magnetrührer mit Rührfisch,
Redox-Elektrode (in KCl c = 3mol/l), Voltmeter,
Becherglas, Stativmaterial


Man gibt 0,1ml Maggi-Speisewürze in das Becherglas und verdünnt mit Wasser, so daß ein ausreichend großes Volumen entsteht, daß die Messung durchgeführt werden kann. Anschließend gibt man 4,5g Kaliumnitrat als Leitsalz zu und löst dies unter Rühren. Dann taucht man die Elektrode, die an das Voltmeter angeschlossen ist, in die Probe. Die Titration erfolgt in 0,05ml-Schritten, wobei ständig gerührt wird. Man liest nun den Meßwert immer nach dem gleichen Zeitintervall ab und trägt die Meßwerte (mV) gegen das Volumen an verbrauchter Maßlösung in ein Diagramm auf und verbindet die Punkte zu einer Kurve.
Der Wendepunkt der Titrationskurve entspricht dem Äquivalenzpunkt und aus dem Ergebnis läßt sich der Natriumchlorid-Gehalt in 0,1 ml Maggi berechnen.


Auswertung:
Prinzip der potentiometrischen Fällungsanalyse:
Cl(aq) + Ag +(aq) → AgCl¯
weiß
cAg+ x cCl- = KL AgCl (KL AgCl = 10-10 mol²/L²)



Berechnung des NaCl – Gehalts:

Vorlage: 0,1 ml Speisewürze

m (NaCl)/ml = V (AgNO3) x ceq (AgNO3) x t x Meq (NaCl) x VF
= Verbrauch in ml x 0,1mmol/ml x 0,9720 x 58,44mg/mmol x 10
= X mg/ml
Erwartung zwischen 260 und 270 g/l      Ø 264,5g/l


Die Messung im Vortrag ergab einen Verbrauch von 4,7ml Silbernitrat-Lösung und damit ergibt sich ein Kochsalzgehalt von 267,0 g/l. Dieser Wert erstaunt umso mehr, als in einem Liter Wasser sich bei Raumtemperatur gerade 358g Kochsalz lösen.
Bedenkt man nun den Bedarf, den man täglich zu sich nehmen sollte, so genügen schon weniger als 35 ml Maggi pro Tag ( ≈ 1000ml x 10g : 267g), um den kompletten Salzbedarf zu decken.


5. Bleichwirkung chlorhaltiger Substanzen
Bleichmittel sind chemische Substanzen, die oxidativ farbliche Veränderungen in Textilien und anderem hervorrufen.
Als Bleichmittel in Waschmitteln wurden und werden saure Chlor- bzw. Hypochlorit-Lösungen verwendet, um Flecken zu entfernen oder die Wäsche aufzuhellen. Industriell wird Baumwolle bei der Textilherstellung gebleicht, um hinterher eine gleichmäßige Färbung zu erreichen und bestehende natürliche Färbungen zu entfernen.
Das große Problem bei der Verwendung von chlorhaltigen Produkten in diesem Bereich sind die Abwässer, die durch die chlorhaltigen Bleichmittel stark umweltbelastend wirken und zur Entstehung schädlicher organischer Chlorverbindungen beitragen.
Darum ist es ein vorrangiges Ziel der Textilindustrie auf Chlorbleichen bei Textilien ganz zu verzichten und umweltschonendere Methoden anzuwenden. Allerdings wird in vielen Teilen der Welt bis heute weiter mit Chlor gebleicht.
Ein anderer Industriezweig, der sich mit dem Chlorbleichen bis heute auseinandersetzt ist die Papierindustrie, doch auch hier wird zunehmend auf andere Bleichmethoden umgestiegen.


VERSUCH 4
Bleichwirkung von Chlor, warum?

Der Versuch soll anschaulich die Bleichwirkung von chlorhaltigen Verbindungen zeigen, ohne die weiteren Reaktionen zu betrachten.


Durchführung:
Chemikalien: Chlorwasser (aus (KClO3) Kaliumchlorat und konzentrierter
Salzsäure), Rosen, farbiger Stoff
Materialien: Bechergläser, Uhrgläser, Abzug, evtl. Stativmaterial
Man legt den Stoff bzw. hängt die Rose in das frischbereitete Chlorwasser und läßt es etwa eine Stunde reagieren. Um hinterher eine Aussage treffen zu können, sollte man eine weitere Rose bereitlegen und auch unbehandelten Stoff, um einen sichtbaren Vergleich zu ermöglichen.

Reaktion:
  0                          -1                 +1
Cl2(aq) + H2O → HCl (aq) + HOCl (aq)

Chlorwasser
 -2 +1                 -1                 0
HOCl (aq) → HCl (aq) + 1/2 O2-

atomarer Sauerstoff


Auswertung:
Es ist zu beobachten, daß deutliche Farbveränderungen auftreten. Man sollte darauf achten, den Versuch im Abzug stehen zu haben, um Belästigungen durch Chlorgeruch zu vermeiden. Nimmt man die Rose/den Stoff aus der Lösung, so sollte man die Bechergläser mit Uhrgläsern bedecken, um austretende Dämpfe zu unterbinden.
Der gebildete atomare Sauerstoff bewirkt also ein oxidatives Bleichen von Farbstoffen.


6. Desinfektionswirkung

Die Chlorung ist eine Behandlungsmethode von Trink-, Bade-, Brauch- & Abwässern zur Entkeimung bzw. Oxidation von unerwünschte Beimengungen.
Durch die Nutzung von freiem Chlor zur Desinfizierung kann es zu keiner Ausbreitung oder Ansteckungsgefahr durch Bakterien kommen, denn schon winzige Mengen töten Bakterien und andere Mikroorganismen im Wasser schnell ab. Chlorhaltiger Produkte haben also eine keimtötende Wirkung.
Wichtig erscheint dabei auch die anhaltende Desinfektionswirkung, auf die in der Demonstration kurz eingegangen wird. Da viele andere Desinfektionsmittel nur eine momentane Wirkung zeigen ist die Chlorung bis heute das weitverbreitetste Verfahren zum Schutz von Trinkwasser.
Das ist auch der Grund, warum es zur standardisierten Hygienemaßnahme in Schwimmbädern geworden ist. Man will dadurch eine Risikoverringerung einer Infektion durch Mikroben erreichen.
Dazu sagt §11 Abs.1 des Bundesseuchengesetz:
„Schwimm- oder Badebeckenwasser in öffentlichen Bädern muß so beschaffen sein, daß durch seinen Gebrauch eine Schädigung der menschlichen Gesundheit durch Krankheitserreger nicht zu besorgen ist"

Das Problem bei der Desinfizierung mit Chlor sind die Desinfektionsnebenprodukte. Es entstehen z.B. Chlor-Amine aus Verbindung von Chlor mit Stickstoffverbindungen (Urin, Schweiß) . Diese Art von chlorhaltigen Verbindungen fällt unter gebunden wirksame Chlorverbindungen (vgl. unten), die verantwortlich sind für den typischen Geruch und die Augenreizung in Schwimmbädern.
Weitere Vorteile der Chlorung von Brauchwässern ist das gehinderte Wachstum der Algen und ein Rückgang der Schleimbildung in Leitungen und Speicherbehältern.


VERSUCH 5
Bestimmung von wirksamen Chlor in Schwimmbadwasser

Dieser Versuch soll vermitteln, wie stark deutsche Schwimmbäder wirklich gechlort sind.
Um den Versuch zu verstehen, muß zunächst der Begriff wirksames Chlor geklärt werden. Es setzt sich zusammen aus „frei“ und „gebunden“ wirksamen Chlor.
Unter „frei“ versteht man Chlor, das elementar gelöst oder als unterchlorige Säure oder als Hypochlorit-Ion vorliegt; „gebunden“ dagegen heißt, daß es als oxidierend bzw. entkeimende Chlorverbindung vorliegt (z.B. Chloramine).
Die Waschwirkung von „Aktivchlor-Lieferanten“ wird bestimmt vom Gleichgewicht:



Prinzip:
In Gegenwart von Iodid-Ionen reagiert wirksames Chlor mit DPD zu einem rosa Farbstoff, der durch die Titration mit einer Ammoniumeisen(II)sulfat-Lösung entfärbt wird. Aus dem Verbrauch an Maßlösung kann man nun die Konzentration an wirksamen Chlor bestimmen.


Durchführung:
Chemikalien: Ammoniumeisen(II)sulfat-Lösung (Maßlösung), N,N-Diethyl-
1,4-phenylendiammoniumsulfat (Indikatorreagenz), KH2PO4
und Na2HPO4 (Pufferkomponenten), konzentrierte Schwefel-
säure (p.a.), Kaliumiodid (p.a.) (Katalysator), EDTA,
Quecksilberchlorid (p.a.), Schwimmbadwasser
Materialien: Mikrobürette, Becherglas, Vollpipetten, Magnetrührer mit
Rührfisch, Meßkolben, Einwegspritzen, Stativmaterial


Kurzbeschreibung zur Herstellung der Lösungen:
Maßlösung: 1,106g Ammoniumeisen(II)sulfat-Lösung, in 1000ml Meßkolben in frischem bidest. Wasser lösen, 2ml Schwefelsäure (c=1mol/l) zugeben und bis zur Eichmarke auffüllen: Lösung im Dunkeln aufbewahren.
Indikatorlösung: 250ml bidest. Wasser in 1000ml Meßkolben, 2ml konz. Schwefelsäure, 0,2g EDTA und 1,1g N,N-Diethyl-1,4-phenylendiammoniumsulfat zugeben und auffüllen: Lösung kühl lagern (Verfärbung = unbrauchbar)
Pufferlösung (pH 6,5): in 500ml bidest. Wasser im 1000ml Meßkolben 24g Na2HPO4 und 46g KH2PO4 lösen, Spatelspitze EDTA und 20mg Quecksilberchlorid und mit bidest. Wasser auffüllen


Versuchsbeschreibung: In ein Becherglas werden 5ml Indikatorlösung, 5ml Pufferlösung und 1g Kaliumiodid gegeben (Mischung muß farblos sein). Dazu fügt man 100ml Schwimmbadwasser . Nach etwa 2min titriert man die Probe auf einem Magnetrührer mit Ammoniumeisen(II)sulfat-Lösung bis zum Farbumschlag von rosa nach farblos. Man verwendet eine Mikrobürette mit Injektionsschlauch und Spitze, um ein oxidieren der Maßlösung zu vermeiden.

Reaktionen zur Chlorbestimmung
    +1                   0                               -1                   +1
OCl(aq) + 2 DPD + 2 H3O +(aq) Cl(aq) + 2 DPD + + 3 H2O

    +2                    +1              +3                     0
2 Fe 2+(aq) + 2 DPD + 2 Fe 3+(aq) + 2 DPD

    +1                +2                                        -1                +3
OCl(aq) + 2 Fe 2+(aq) + 2 H3O +(aq) Cl(aq) + 2 Fe 3+(aq) + 3 H2O


N,N-Diethyl-p-phenylendiamin: Redoxindikator

DPD+ rosa
(oxidierte Form)
DPD farblos
(reduzierte Form)



Auswertung:
1ml Ammoniumeisen(II)sulfat-Lösung zeigt 0,1mg wirksames Chlor in Form von Cl2

Berechnung:

V[(NH4)2Fe(SO4)2] x VF x c[(NH4)2Fe(SO4)2] x t = m(wirks. Chlor)
Verbrauch in ml x 10 x 0,1 mg/ml x 0,9880 = X mg
Der Versuch im Vortrag brachte ein Ergebnis von 1,4mg/l, wobei erwähnt werden muß, daß die Probe aus einem privaten Schwimmbecken entnommen wurde und deshalb keinen öffentlichen Richtlinien entsprechen muß!
Die gesetzlich festgelegte Richtkonzentrationen beträgt 0,3–0,5mg wirksames Chlor pro Liter Badewasser .
Zum Vergleich beträgt die Konzentration eines Sanitärreinigers 5mg wirksames Chlor in einem Gramm Sanitärreiniger!


DEMONSTRATION 1
Geruchsentfernung durch Chlorwasser

Durchführung:
Chemikalien: Chlorwasser, Heuaufguß
Materialien: Erlenmeyerkolben, Demoreagenzgläser mit
Filterpapierstreifen, Pasteur Pipetten


In einem Erlenmeyerkolben werden Blätter und Gras mit warmen Wasser übergossen und mehrere Tage an einem warmen Ort stehen gelassen. Man wartet bis dieser Heuaufguß einen fauligen Geruch angenommen hat. Davon gibt man etwa 50 ml in ein Demoreagenzglas und tropft so lange Chlorwasser unter umschwenken zu, bis der faulige Geruch verschwunden ist. Danach tropft man zum Vergleich auf ein Filterpapier etwas von der riechenden Probe, auf ein anderes etwas von der desodorierten Probe und steckt sie in Demoreagenzgläser. Diese kann man zur Geruchsprobe herumgeben.


Beobachtung:
Der faulige Geruch des Aufgusses verschwindet fast vollständig und kommt auch nach weiterem Stehenlassen nicht wieder.

Deutung:
Chlor hat eine stark oxidierende Wirkung auf organische Substanzen. Dadurch werden Geruchsstoffe unter Bildung weniger geruchsintensiver Verbindungen zerstört.
Weiterhin kommt es zum Abtötung der Mikroorganismen, so daß es zu keiner neuen Fäulnis kommt. Aus diesem Grund werden Chlorverbindungen als Entkeimer von Brauchwässern eingesetzt.

Man ist es gewohnt bei sich zu Hause Waschbecken, WC´s und die Böden in Bädern regelmäßig zu reinigen. Dabei verwendet man zum Desinfizieren häufig stark alkalische Chlorreiniger auf der Basis von Natriumhypochlorit (NaOCl).
Die desinfizierende Wirkung dieser Reiniger beruht auf der Umsetzung des Hypochlorit-Ions zu unterchloriger Säure, die wieder unter Freisetzung von elementarem Sauerstoff zerfällt.



NaOCl in desinfizierenden WC-Reinigern & Bleichmitteln wird zur Gefahr sobald alkalische Reiniger und Reiniger auf Säure-Basis gleichzeitig verwendet werden.
Diese Gefahr soll anhand des folgenden Versuches verdeutlicht werden.


VERSUCH 6
Unsachgemäßer Gebrauch von Haushaltsreinigern

Durchführung:
Chemikalien: Hypochlorithaltiger Reiniger, Essigsaurer Reiniger,
in Kaliumiodid getränktes Filterpapier
Materialien: Petrischale, Abzug

Man gibt die beiden Reiniger nacheinander zu gleichen Teilen in die Petrischale im Abzug und bedeckt diese mit dem Filterpapier, das vorher in Kaliumiodid-Lösung getränkt und danach getrocknet wurde.
Reaktionen:

Nachweis des elementaren Chlors:


  -1           0        0          -1
2 I-(aq) + Cl2 I2 + 2 Cl-(aq)
farblos braun

Standardpotentiale: E02Cl-/Cl2 = +1,36 E02I-/I2 = +0,54

Auswertung:
Man erkennt bereits nach kurzer Zeit die charakteristische braune Färbung des Filterpapiers, womit die Anwesenheit von elementarem Chlor nachgewiesen wäre.
Was bedeutet das nun für denjenigen, der so unverantwortlich mit Reinigern umgegangen ist?
Je nach der Menge der beiden Reiniger wird entsprechend viel Chlorgas freigesetzt und es kann von leichten Reizungen der Atemwege und Schleimhäuten bis zu lebensgefährlichen Verätzungen kommen. Darum ist es besonders wichtig immer auf die Inhaltsstoffe von Haushaltsreinigern zu achten, um oben beschriebene Unfälle zu vermeiden.


7. Fazit
Damit endet der kleine Ausflug in die Chemie des Chlors, der bestimmt noch nicht alle interessanten Aspekte beleuchtet hat.
Trotzdem hoffe ich, daß es gelungen ist die Bedeutung dieser so gefährlichen und doch gleichzeitig so lebenswichtigen Chemie, klar darzustellen. Bis heute ist es niemandem möglich gewesen einfach Vor- und Nachteile der Chlorchemie gegeneinander aufzuwiegen, weil das auch gar nicht praktikabel ist.
Jedem ist heute bewußt, welche Risiken dieser Chemiezweig in sich birgt und es wird immer neue Erkenntnisse geben, die diese Chemie ungefährlicher und handhabbarer machen, doch nach wie vor gilt: Sollte es eine Alternative in einem Bereich geben, die dem Chlor in nichts nachsteht, so sollte immer der Umweltaspekt im Vordergrund stehen.

Mein vorrangiges Ziel war es, mit diesem Vortrag herauszustellen, welche Rolle schon in unserem alltäglichen Umfeld das Chlor spielt und ich hoffe, daß mir das einigermaßen gelungen ist.






8. Literaturverzeichnis

  • AUSTIN, S., U.A. (1992): Chemie des Chlors und seiner Verbindungen
    Fond der chemischen Industrie, Frankfurt/Main

  • FLUCK, E./MAHR, C.(1985): Anorganisches Grundpraktikum
    VCH, Weinheim

  • GERSTNER, E. (1993): Scriptum zum anorganisch-chemischen Praktikum
    Marburg

  • HOLLEMANN, A.F./WIBERG, N. (1985): Lehrbuch der Anorganische Chemie
    Walter de Gruyter, Berlin und New York

  • RIEDEL, E. (1990): Anorganische Chemie
    Walter de Gruyter, Berlin und New York

  • ROEMPP (1993): Chemie Lexikon 9.Aufl.
    Georg Thieme Verlag, Stuttgart und New York

  • INFORMATIONSMATERIAL:
    Bayer: Chemie mit Chlor
    EuroChlor: Daten und Fakten zur Chemie mit Chlor
    VCI: Informationen zu Chemie mit Chlor
    VCI: Positionen zur Chemie mit Chlor
    Diverse Internetseiten