Vitamine
Vitamine sind organische Substanzen, deren Fehlen Mangelerscheinungen im Körper hervorruft; auch ein Überangebot kann zu Erkrankungen führen.
Vitamine sind essentielle Nahrungsbestandteile. Sie können vom
Körper nicht (oder nicht ausreichend) hergestellt werden; sie kommen - zum Teil auch als
Vorstufen (Provitamine) - in Lebensmitteln vor und werden nur in ganz kleinen Mengen
benötigt. Normalerweise enthält unsere Nahrung sämtliche Vitamine im erforderlichen
Umfang.
Die Vitamine ermöglichen den Abbau der Hauptnährstoffe, die Steuerung des Stoffwechsels
und den Aufbau körpereigener Substanzen, indem sie den Ablauf enzymatischer Vorgänge
unterstützen.
Die Vitamine werden in eine wasserlösliche und fettlösliche Gruppe eingeteilt, von denen
nur auf die Vitamine A, D und E, welche in der Margarine enthalten sind, näher
eingegangen werden soll.
Margarine wird in der Regel zur ernährungsphysiologischen Aufwertung vitaminiert mit 15
bis 20 Internationalen Einheiten (I.E.) Vitamin A, mit 5 I.E. Provitamin A und mit bis zu
einer I.E. Vitamin D pro g Margarine. Vitamin E kann bis zu einer Gesamtmenge von 0,5mg
pro g Margarine zugesetzt werden, wenn dieser Gehalt natürlicherweise nicht erreicht
wird.
Vitaminierung der Margarine
Vitamin D |
Vitamin A Provitamin A |
Vitamin E |
2,5 µg pro 100 g Margarine Tagesbedarf (DGE): Erwachsene: 2,5 µg Kinder: 10 µg |
900 µg pro 100 g Margarine 900 µg 800 µg |
bis 50 mg pro 100 g Margarine 12 mg 8 mg |
Wenn man den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für
Ernährung (DGE) glauben mag, kann der Tagesbedarf für Kinder und Erwachsene in den
meisten Fällen mit 100g Margarine abgedeckt werden. Aber: Wer ißt schon pro Tag 100g
Margarine?
Im folgenden sollen o.a. Vitamine erläutert werden und
Nachweise aus Margarine zu den Vitaminen vorgestellt werden.
Die Vitamin-DGruppe dient als Sammelbezeichnung für
die aus 5,6.7,8-Tetradehydro-Sterinen durch photochemische Ringöffnung entstehende
Vitamine, mit mehr oder weniger starker antirachitischer Wirkung, die häufig unter der
Gruppenbezeichnung Calciferole zusammengefaßt werden.
Vitamin D2 (Freiname: Ergocalciferol) wird
auch als pflanzliches Vitamin D bezeichnet, weil es aus Ergosterin entsteht, das in der
Pllanzenwelt häufig vorkommt. Seine physiologische Wirkung entspricht bei Säugern denen
des Vitamins D3.
Vitamin D3 (Freiname: Cholecalciferol)
entsteht mittelbar aus dem in der Tierwelt weit verbreiteten Cholesterin und wird deshalb
gelegentlich als tierisches Vitamin D bezeichnet.
Die D-Vitamine sind notwendig für die Regulierung des
Calcium- und Phosphat-Haushalts im Organismus. Sie sorgen für die Calcium-Resorption im
Darm und für die Mineralisation der Knochen.
Die Folge von Vitamin D-Mangel ist das Auftreten von Rachitis
(Englische Krankheit), insbesondere bei Säuglingen und Kleinkindern. Beim Erwachsenen
tritt durch Entmineralisierung des Skeletts ein Knochenumbau mit Deformationen der
Röhrenknochen, des Beckens und des Brustbeins ein. Die Ursache des Vitamin D-Mangels
liegt häufig in zu geringer Sonnenbestrahlung.
(1 I.E. entspricht 0,025 µg kristallines Vitamin D3)
(gelb-orange) Farbe der Margarine
Die Vitamin-A-Gruppe ist die Sammelbezeichnung für die
beiden isoprenoiden C20-Vitamine A1 und A2, die etwas
unterschiedliche physiologische Bedeutung haben. Bedeutend jedoch ist das Vit. A1.
Vitamin A1 (Freiname: Retinol) wird in der
Leber gespeichert und ist von großer Bedeutung für das Wachstum und die normale
Entwicklung des Menschen, für den Aufbau und die Resistenz der Haut und der
Schleimhäute. Da Vitamin A1 die Zellvermehrung reguliert, wird ihm eine
Tumor-hemmende Wirkung nachgesagt. Sein Fehlen ruft abnorme Hauttrockenheit,
Sekretions-einschränkungen der Schweiß-, Tränen-, Talg- und Magendrüsen,
Gewichtsabnahme, Wachstumshemmungen, Minderung des Sauerstoff-Verbrauchs und erhöhte
Infektionsanfälligkeit hervor. klärt.
Am Sehprozeß ist Vitamin A1 über sein
Oxidationsprodukt Vitamin A1-Aldehyd (Retinal) als prosthetische Gruppe des
Rhodopsins beteiligt. Mangel an Vitamin A resultiert infolgedessen auch in verminderter
Fähigkeit zum Dämmerungssehen, Nachtblindheit und gesteigerter Blendempfindlichkeit der
Augen.
Der Vitamin A-Bedarf wird vorwiegend aus tierischen
Quellen (Leber, Fischölen, Milch, Butter, Eigelb) gedeckt. Eine weitere Quelle ist das in
Pflanzen reichlich vorkommende Provitamin b -Carotin, das zu ca. 50% in der Darmwand in 2 mol Retinol gespalten wird.
(1 I.E. entspricht 0,30mg Vitamin A1 bzw. 0,344mg krist. Vitamin A-Acetat, 1 I.E. Provitamin A entspricht 0,6mg b -Carotin)
Im Versuch wird Vitamin A qualitativ aus Margarine nachgewiesen.
Versuch 3: Nachweis von Vitamin A nach der Carr-Price-Reaktion
Chemikalien:
KOH (w=0,3), Petrolether, Ethanol (96%), Chloroform, Essigsäureanhydrid, Trifluoressigsäurelösung (1 Teil TFE : 5 Teile CHCl3), Wasser dest.
Prinzip:
Die Vitamine A, D und b-Carotin werden mit Hilfe von KOH (Verseifung) und Petrolether/Ethanol unter Hitze aus Margarine extrahiert. Der abgetrennte Petroletherextrakt wird eingedampft und das Retinol nach der Carr-Price-Reaktion in einen blauen Farbkomplex von geringer Dauer (30sec.) überführt.
Durchführung:
Ca. 10g Margarine werden im 100ml Becherglas mit 30ml KOH-Lösung gut durchmischt und im Wasserbad (90°C) 15min erwärmt. Nach dem Abkühlen werden 20ml Ethanol und 100ml Petrolether hinzugefügt und 10min stark gerrührt. Der Ansatz wird 1h im Dunkeln stehen gelassen. 50ml des Petrolethergemischs werden abpippetiert und im Scheidetrichter mit 100ml dest. Wasser vorsichtig ausgeschüttelt bis die Lösung klar ist.10ml von der Etherphase werden in einem Becherglas vorsichtig eingedampft. Der Rückstand wird in 0,5ml Chloroform sowie in 0,5ml Essigsäureanhydrid aufgenommen und mit 5ml Trifluoressigsäurelösung angefärbt.
Erklärung:
Carr-Price-Reaktion mit Trifluoressigsäure
Absorption bei lmax=618nm (blau-blaugrün)
Erläuterung:
Da Trifluoressigsäure eine sehr starke Säure ist,
kann von Retinol die Hydroxygruppe als Wasser abgespalten werden. Es entsteht ein
Carbeniumion, dessen p -Elektronen
delokalisiert sind.
Warum erscheint der Zustand des Carbeniumions dem
menschlichen Auge blau-blaugrün?
Tatsache ist, daß Retinol gelblich erscheint, aber die
Anzahl der p -Elektronen sich nicht
ändert. Dieses Farbphänomen muß also anders erklärt werden.
Dazu vergleiche man die Molekülorbitale von Propen
(bei Retinol) und des Allyl-Kations (bei Carbeniumion) [vgl. eingezeichnete Kästen], um
in vereinfachter Form die wesentlichen Unterschiede der jeweiligen p -Elektronensysteme zu betrachten.
Molekülorbitale
im Vergleich
Propen besitzt 2 p -Elektronen, die auf 2 Zentren (=C-Atome) verteilt sind. Daraus ergibt sich
für die Molekülorbitale ein bindender und ein antibindender Zustand. Bei der Anregung
der Elektronen vom höchsten besetzten Molekülorbital (HOMO) in das niedrigste unbesetzte
Molekülorbital (LUMO) erscheint das Propen, stellvertretend für Retinol, gelb.Bei dem
Allyl-Kation sind im Gegensatz zu Propen 2 p -Elektronen auf 3 Zentren verteilt und zu dem bindenden und antibindenden
Zustand existiert noch ein nichtbindender Zustand, welcher hier das LUMO bildet. Der
HOMO-LUMO-Übergang ist "kürzer" als bei dem Propenmolekül und als Ergebnis
erhält man eine längerwellige Absorption (l max=618nm), welches dem menschlichen Auge blau erscheint.
Dieses Farbphänomen ist nur von kurzer Dauer, da die
Carbeniumionen nicht genügend stabilisiert sind und durch elektrophile Addition weiter
reagieren können.
Die Vitamin-E-Gruppe ist die Sammelbezeichnung für die
fettlöslichen, natürlich vorkommenden Verbindungen mit einem Chroman-Grundgerüst und
einer C16-Seitenkette. Die Vitamin-E-Reihe werden auch als Tocopherole
bezeichnet, welche sich durch verschiedene Substituenten unterscheiden.
Meist wird a-Tocopherol als das eigentliche Vitamin E angesehen.
Tocopherole kommen in vielen Pflanzenölen vor.
Besonders reich an Vitamin E sind die Samenöle von Soja, Weizen, Mais, Reis und
Baumwolle. Bei der Ölraffination geht jedoch ein Teil der Tocopherole verloren . Auch
Früchte und Gemüse, z.B. Himbeeren, Bohnen, Erbsen, Fenchel, Paprika, etc. enthalten
Tocopherole. Geringe Konzentrationen von Tocopherolen findet man auch in tierischen
Produkten wie Innereien (Leber), Eiern und Fisch. Neben ihrer Anwendung aufgrund des
Vitamin-Charakters (Fortpflanzung und Fettstoffwechsel; Tocopherol ist abgeleitet von
griech.: tokos = das Gebären und pherein = tragen) wirken Tocopherole als Antioxidantien
in Fetten und Ölen. Im Menschen ist a-Tocopherol
das wichtigste fettlösliche Antioxidans. In den USA wird a-Tocopherol Räucherschinken zugesetzt, um die Bildung von Nitrosaminen zu
hemmen. Die Wirkung von Vitamin E als Nitrit-Fänger und Inhibitor der
N-Nitrosamin-Bildung in vivo wird ebenfalls diskutiert. Darüber hinaus besitzen
Tocopherole eine Vielzahl von günstigen physiologischen Eigenschaften (z.B. Reduzierung
von Muskelschäden, die auf oxidativen Stress während körperlicher Höchstleistung
zurückzuführen sind, Verzögerung diabetischen Spätschäden, Verminderung des Risikos
der Kataraktbildung, Verminderung des oxidativen Stress bei Rauchern , anticarcinogene
Effekte, Reduzierung des Arteriosklerose-Risikos, protektive Wirkung gegen Hautschäden
wie Hautalterung, Schutz der Haare vor Witterungseinflüssen). Bei der
Margarineverarbeitung gelangt Vitamin E über die Pflanzenöle in die Margarine. Bei der
mengenmäßigen Aufnahme von Vitamin E nimmt Margarine die Spitzenposition unter den
Lebensmitteln ein.
(Basis: Nationale Verzehrstudie 1991)
Versuch 4: Nachweis des Vitamins E durch Oxidation zu Tocopherolrot
Chemikalien:
Margarine, Ethanol (getrocknet über Molekularsieb 4A), konz. HNO3, Siedesteinchen
Durchführung:
In einem mit Siedesteinchen bestückten Reagenzglas werden 10ml verflüssigte Margarine in 5ml wasserfreiem Ethanol gelöst. Zu dieser Lösung werden vorsichtig tropfenweise 2ml konz. HNO3 gegeben. Anschließend wird die Mischung unter dauerndem Schütteln mit dem Bunsenbrenner (Vorsicht: Lösungsmittel) zum Sieden erhitzt.
Ergebnis:
Das Gemisch färbt sich orange-rot. Die Intensität der Färbung nimmt bei niedrigeren Temperaturen deutlich zu.
Erklärung:
In Gegenwart von Tocopherol entsteht Tocopherolrot. Aus Tocopherol bildet sich durch Oxidation Tocopherolrot, dabei wird der aromatische Charakter des Tocopherols aufgehoben und es entsteht ein ortho-chinoides System.
OXIDATION:
l = 450 500nm gelb - rot
Konzentrierte Salpetersäure fungiert als Oxidationsmittel und wird selbst reduziert.
REDUKTION: (formal)
In einer Nebenreaktion können durch Luftsauerstoff
nitrose Gase entstehen.
Es sind aber auch andere Oxidationsstufen des N an der
Redoxreaktion des a-Tocopherols beteiligt. Vereinfacht: